Der Rückblick aus Sicht der FHS St. Gallen – unserer externen Projektbegleitung

Der Rückblick aus Sicht der FHS St. Gallen – unserer externen Projektbegleitung

Am Forum Wittenbach sprach uns in der Kaffeepause eine ältere Frau an. Sie habe bisher in öffentlichen Diskussionen nicht viel gesagt, das sei meist die Rolle ihres Mannes gewesen. Die Aufforderung der externen Prozessbegleitung, dass alle Beteiligten an den Tischen eine bestimmte Redezeit zur Verfügung hätten, habe sie jedoch motiviert, ihre Gedanken zur Zukunft Wittenbachs mitzuteilen. Ungewohnt sei das gewesen, aber es hätte sich auch gut angefühlt, meinte sie. Diese Begegnung bringt auf den Punkt, was das Projekt „Zukunft Wittenbach“ ausmacht: Mitwirkungsprozesse, die auf einer offenen Grundhaltung der Gemeinde basieren, stimulieren alle Beteiligte. Sie fordern aber auch alle Beteiligten heraus: Öffentliche politische und gesellschaftliche Äusserungen brauchen Mut und darum ein vorhandenes Vertrauensverhältnis zwischen Behörden und teilnehmender Bevölkerung. Ein solches Vertrauensverhältnis kann nur aufgebaut werden, wenn auf Seiten der Behörden proaktiv und umfassend informiert und kommuniziert wird – was in Wittenbach mit mehreren medialen Kanälen gut funktioniert hat. Trotz guter Kommunikation und strukturiertem Vorgehen war die Mobilisierung der Bevölkerung zur Mitwirkung nicht einfach. Ob für eine grössere Zahl an Mitwirkenden am Forum Wittenbach bei einigen der Mut zum Mitmachen fehlte, ob die Meinungsäusserung in der Einwohnerzufriedenheitsanalyse für andere bereits genug Mitwirkung darstellte, ob die samstäglichen Routinen wichtiger oder die wahrgenommenen Herausforderungen Wittenbachs als zu klein waren – darüber lässt sich lediglich spekulieren. Wichtigstes Resultat – neben den eben erwähnten positiven Mitwirkungserlebnissen – ist die erarbeitete Vision Wittenbach 2030 und die darin festgehaltenen strategischen Leitsätze. Einer der Leitsätze aus dem Themenfeld „Nachhaltigkeit“ spricht eine für die zukunftstaugliche Gemeindeentwicklung besonders relevante Herausforderung an: Kommunale Aufgaben sollen wann immer möglich vernetzt gelöst werden und ressortübergreifende Lösungen sind sektoriellen vorzuziehen. Einige Rückmeldungen zeigen, dass weiterhin eine gewisse Skepsis gegenüber der Wirkung des Prozesses und dem weiteren Vorgehen herrscht. Dieser Skepsis kann mit einer weiterhin proaktiven Kommunikation begegnet werden.

Lineo Devecchi, Ostschweizer Zentrum für Gemeinden, FHS St. Gallen

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